Isses schon wieder so weit?

In Minga tobt schon wieder das Oktoberfest – die Wies’ngaudi – wie man wohl gern auch sagt. Und der Kini wäre vermutlich völlig aus dem Häuschen, oder besser wohl aus seinem Schlösschen, vor lauter Glück und Freude. Den Kini gibt’s aber nicht mehr, der ist schließlich irgendwann dann doch ins Wasser gegangen, weil er wusste, dass nur jener weise ist, der die Welt verlässt, bevor sie auf ihn verzichten kann.

Das Oktoberfest hingegen gibt es noch – und erschreckender Weise nicht nur in München. Auch nicht nur in Münchens Außenstellen, den diversen Brauhäusern, die sich auch jenseits des Weißwurstäquators über die Republik verteilt angesiedelt haben. Mit dem Oktoberfest ist es bald wie mit Karneval (sagen Sie ruhig gern auch Fasching, Fas(t)nacht, oder sonst wie dazu): Es gibt kein Entkommen mehr.

Selbst der niedersächsischen Provinz bleibt diesbezüglich nichts erspart. Im Umkreis weniger Kilometer finden gleich mehrere bierselige Veranstaltungen unter blau-weißen Rautengirlanden (Himmel kann man hierzulande nämlich nicht in diesen Farben bieten und Grau in Grau ist für Girlanden nun einmal nicht schmuck genug) statt. Heerscharen “rescherer” Schülerinnen lassen sich in Dirndl schnüren und im Maßstemmen schulen, um dann vermutlich im entscheidenden Moment des Bestellungaufnehmens ein solides “Moin” über den Tisch zu rufen. Mädels, in diesem Falle wäre vermutlich ein “Servus” oder sowas in der Art geboten. Dann das Elend mit den Schürzenschleifen. Es verrät den armen Dingern ja niemand, dass diese in drei von vier Fällen entpsrechend des jeweiligen Familienstands zu knoten sind. Daher hier noch mal zum Mitschreiben und Verinnerlichen: Links gebunden = lediges Weibsbild. Rechts gebunden = schon unter die Haube gebrachtes Modell gleicher Sorte. Mittig gebunden (und seit dem Ende der 60er wohl immer seltener anzutreffen, es sei denn die muslimische Welt stellt von Chador auf Dirndl um) = Jungfräulein. Und hinten gebunden = Witwe oder Kellnerin. Im Festzelt vermutlich Kellnerin, daher vorsichtshalber von Beileidsbekundungen absehen. Es sei denn, es handelt sich eben um eines jener bemitleidenswerten niedersächsischen Geschöpfe, das sich zur Aufbesserung seines Taschengeldes dem Joch verzerrt interpretierten bayerischen Kulturguts unterwirft und zwischen Deichen und Leuchttürmen Hax’n und Brez’n serviert.

Den Gipfel der blau-weiß zu(g)gespitzten Kulturräuberei erreichte das kopierte Treiben unlängst, als Vertreter des Einzelhandels zum Oktoberfest luden und die – bis da noch – geneigte Kundschaft aufforderten, bayerische Tracht zu tragen. KEIN Bayer käme je auf die Idee, seine Kundschaft in Fischerhemd oder Altländer Tracht zum Krabbenpulen oder Äpfelpflücken in seinen Laden zu bitten.  Warum zur Hölle sollte ich mich also bei dieser Grabeskälte in ein Dirndl zwängen und vermeintliches Festbier trinken? Macht man so seine Kundschaft gefügig? Sind das die neuen Marketingtricks. Ausgefuchst, ich muss schon sagen.

A propos Vierbeiner: Nicht einmal sie bleiben von diesen pseudopanbajuvarischen Auswüchsen verschont. So bietet ein Hundefutterhersteller doch glatt das “Wiesn-Menü 2012″ an und verziert die dazugehörige Futterdose mit der Abbildung eines Lebkuchenherzens. Ich sage Ihnen: Mein Köter tat es dem Kini gleich und war völlig aus dem Häuschen. Seit Tagen schuhplattelt er in Krachledernen durchs Haus. Wenn er nicht gerade trampend am Straßenrand steht. Weil ich ihn dort angebunden habe. Destination München… Doch dazu ein anderes Mal.

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